Inhaltswarnung: Diskussion und Beschreibung von Vergewaltigung in der Sektion „Eine Bestandsaufnahme„
Das Spektakel ist nicht ein Ganzes von Bildern, sondern ein durch Bilder vermitteltes gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen.
Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967
Jede radikale Subkultur hat ihre Menge an Problemen und Berlin macht da keinen Unterschied. Dieses Bild fand seinen Weg zu mir durch einen Gruppenchat, und als ich es bekam, war ich empört.1 Ein paar der Teile des Bildes stachen mir sofort ins Auge, andere waren einfach schmerzende Erinnerungen an Gegebenheiten, die nach Jahren der wiederholenden Einwirkung empfindsam machten. Ich teilte es mit Gefährt:innen, und wir überlegten lange, ob wir etwas sagen sollten oder nicht. Was nun folgt ist keine Kritik, die einzig auf das Bild bezogen ist, sondern viel mehr eine Analyse von Elementen der radikalen Szene in Berlin und das Bild wird als Fokuspunkt genutzt.
Alles kontextualisiert
Lasst uns erst einige wichtige Hintergrundinformationen geben, woher das Bild kommt.
Wie viele, wenn nicht alle Städte, lässt sich Berlin nicht von seiner queeren Szene trennen. „Die Linke„ ist eine illusorische Koalition aus progressiven Außenseiter:innen, und als eine marginalisierte Gruppe fallen Queers da natürlicherweise mit rein. Der queere Einfluss hier ist stark in der radikalen Linken. Im Vergleich zu anderen Städten sind hier wenige TERF-Aktivitäten — um uns zum Beispiel nur mal mit London zu vergleichen. SWERFs tauchen auch relativ unregelmäßig auf. Queer-Sein und Feminismus sind oft auf einer Linie gegen das cis-hetero Patriarchat und generelle Mackerhaftigkeit, aber sie können auch Unterschiede miteinander haben.
Etwas anders als in anderen Städten, die radikale und queere Szenen sind stark beeinflusst — und in dem Fall von der queeren Szene, ist es teils dominiert von — Berlins Club Kultur. Hausprojekte und autonome Räume veranstalten oft ihre eigenen Raves und (queere/feministische) Tanzpartys. Weil sie selbstorganisiert sind, weil sie an autonomen Räume veranstaltet werden, weil sie von denen besucht werden, die sich selbst als ein Teil der radikalen Szene betrachten, und weil sie (manchmal) genutzt werden, um Geld einzunehmen, das an politische Projekte gespendet wird, mensch wird diesen Veranstaltungen ein hohes Maß an Radikalität und Politischem zugesprochen.
Jede Stadt oder Region hat ihre eigenen Trennungen und Spaltungen entlang an ideologischen oder kulturellen Linien. Anarchist:innen gegen Kommunist:innen ist ein Übliche. Vorgeblich-anti-autoritäre-aber-immer-noch-patriarchale Herrschaft gegen Anarchafeminismus ist eine andere. In Berlin ist die stärkste Trennung zwischen Palästinasolidarität und Zionismus. Diese Trennung spaltet insbesondere die queere Szene wegen des Pinkwashings Israels als der einzige Safe-Space für LGBT Menschen im nahen Osten. Sticker und Graffiti mit Variationen von „Queers für Palästina„ und „Queers für Israel„ bekämpfen sich in unseren Straßen.
Trotz Repression, Gentrifizierung und Räumungen, hat Berlin immer noch eine pluralistische, radikale Szene. Viele autonome Räume bleiben, und es gibt so viele Kollektive die hier handeln, dass ich nicht glaube, dass ein einzelne Person hier alle im Auge behalten kann. Mensch muss nur im StressFaktor-Kalender nachschauen, um die Unterthemen zu sehen, die dort gelistet sind, die gemacht werden für eine beschäftigte, beschäftigte Stadt.
Normative Bilder
Das Bild der Diskussion ist nicht einfach nur eine Werbung für eine Veranstaltung. Es hat, wie alle Bilder, die Kraft, zu normalisieren, was es zeigt. Jede Facette des Bildes, jede individuelle Komponente ist ein normatives Statement über die Welt des kollektiven „uns„ der diffusen radikalen Szene die es erstrebenswert findet und es versucht es existieren zu lassen.
Jawohl, Ordner:in
Um Mal zu beginnen, im Vordergrund und das Hauptsubjekt von dem Bild ist eine Person mit einem Ordner:in-Armband und Awareness-Team-Weste mit einem Gast von der Veranstaltung, die der Person die Schuhe leckt.
In diesen Tagen sind Ordner:innen auf nahezu allen registrierten Demonstrationen präsent und erfüllen die Rolle der Friedenspolizei, welche den Befehlen der Demo-Organisator:innen, welche wiederum oft Befehle von der Polizei weitergeben. Ordner:innen laufen manchmal entgegen der Polizei, die das Ziel haben, die Demos zu unterbrechen, oder es auf individuelle Personen abgesehen haben, aber häufig bewahren sie den Frieden, um sicher zu stellen, dass die Demo ihren Endpunkt erreicht. Oder sie stellen es sicher, dass die Demo in einem abgesprochenen Rahmen von Aktivitäten bleibt. Die Rolle von Ordner:innen existiert seit Jahrzenten, doch es ist ein recht neuer Trend, sie so offiziell und organisiert zu machen, dass es wesentlich und durchweg erscheint in der letzten Jahre.
Ähnlich stärkt das Awareness-Team die Awareness-Konzept der Organisationen. Diese Konzepte haben das Ziel (Micro)Agressionen und Intoleranz zu reduzieren, die sich gegen Teilnehmer:innen richtet und stellt ein Mittel zur Verfügung zu haben, um Menschen mit problematischem Verhalten rauszuwerfen. Awareness-Teams sind sehr üblich auf Partys und Raves wo die Präsenz von Alkohol und anderen Drogen und den sexuellen Themen von solchen Veranstaltungen kreieren fruchtbaren Boden für sexualisierte Gewalt. Ihre Rolle ist eine Kombination daraus, die zu beschützen, die direkt von Übergriffigkeit und Intoleranz Betroffene, vermitteln Konflikte, und anbieten Sicherheit für die, die unter einer psychologischen Krise leiden wie auch immer der Grund ist. Awareness-Teams können aus einzelnen Personen bestehen, die zum Orga-Team gehören oder auch von einem externen Kollektiv, die darauf spezialisiert sind.
Die Rolle der Ordner:in und Awareness können kombiniert sein, und in jedem Fall sind die auf typische Art markiert, entweder mit einem Armband oder einer Weste, wie in dem Bild zu sehen ist.
Ich habe die Nützlichkeit einiger Aktionen der Demo-Ordner:innen gesehen, aber eben genau so, habe ich gesehen, wie sie Gefangenenbefreiungen unterbrachen, Gefährt:innen blockierten, die Bullen angreifen wollten, führten Menschenmassen weg von denen, die festgenommenen Gefährt:innen Unterstützung geben wollten, und agierte als Sicherheitseinheit, um ungewollte Demo-Blöcke (z.B. palästinensische Blöcke) dazu zu bringen, zu gehen, und zu allem zu dem sie in der Lage sind, zu tun, ist direkt auf ihre Uniformen und ihres Amtes zurückzuführen. Viele würde über die Abdämpfensrollen der Ordner:innen bei Aktionen geschrieben.2 Nur um dies zu sagen, Menschen zu haben, die in den Aspekten der Bigotterien, denen wir begegnen, und Deeskalation trainiert sind, kann die Sicherheit der Teilnehmer:innen deutlich verbessern. Aber genauso gut habe ich herausgefunden, dass manche der stärksten Befürworter:innen von Awareness-Strukturen ihre Rolle benutzen, um Konflikte zu verschleiern wo Konflikt und Feindschaft zu Bigotterie oder Missbrauch selbst eine direkte Aktion ist. Mediation und die sogenannte transformative Gerechtigkeits in den Hintergrund drängen, zum Beispiel, Aufstände gegen patriarchale Gewalt.3 Macht erhalten die, die Awareness-Rollen ausführen, und sie agieren im Interesse der Organisierenden welche für sich beanspruchen, dass sie im Interesse des Willens der Teilnehmer:innen handeln, auch wenn der:die Organisator:in in manchen Fällen klar machen, dass sie lediglich ihre eigenen Werte durchsetzen. Oder, lasst uns nicht vergessen wie oft das Awareness-Team bis zu einem Punkt zu voll verballert und/oder betrunken ist, dass sie unfähig wären, ihre Pflichten zu erfüllen.
Die, die in der BRD leben — und ja, ebenso Radikale, Immigrant:innen, und die Überschneidung von beidem — haben eine Problem mit dem Folgen einer (wahrgenommenen) Autorität. Das hat sich im Demo-Kontext verstärkt, in der post-Gilet-Jaunes Ära wo die überhandnehmenden Uniformen auf Demonstrationen rasch wachsten. Ordner:innen haben eine Farbe, juristische Beobachter:innen eine andere. Sanis, Awareness-Teams, und Dolmetscher:innen können auch ihre eigene Farbe haben. Es trifft auch nicht die Anforderung, wie offizielle Organisationen allen Mitglieder:innen Westen ausgeben um Einheit zu erzeugen. (z.B. ver.di [Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft] oder Omas gegen Rechts [eine bürgi antifaschistische Gruppe]).4
In diesem Bild stellt die Weste ein klares Symbol der Autorität da, zu sehen auch an dem Funkgerät am Gürtel. Die Person trägt diese Sachen nicht als ein Kink, sondern in ihrer offiziellen Position als Ordner:in.5 Teile, die einen Cop und eine Uniform ausmachen Kink transgressiv zu sein, ist zum einen ihre scheinbare Unterwerfung der Autorität gegenüber oder der Umkehrung um sich menschs Amts als Unterdrücker:in für sich selbst zu beanspruchen.6 Die Person, die für das Vorgeben und Antworten von sexueller Gewalt beauftragt ist, beschäftigt sich in einer (vermutlichen konsensuellen) sexuellen Beherrschung einer:s Teilnehmer:in. Dies ist ein klarer Interessenskonflikt und mensch sollte vorsichtig sein dies als anziehend darzustellen. Die Organisation, die die Veranstaltung bewirbt, United Radical Service Tops, benutzt ebenso die Sprache von anderen indem sie ihnen ihr auf den Partys in ihrer Kommunikation über die Partyaussetzt.7 Darüber hinaus wirkt die Ordner:in sich der Coronapandemie „bewusst„ da sie eine Maske trägt, sie ist jedoch unter ihren Mund und Nase herunter gezogen, andeutend, dass sie weißt, was richtig ist, und sie beschließt, die Regeln zu brechen.
Dazu könnte wer sagen „don’t yuck my yum„8 oder dass ich Kink nicht verstehe. Ich werde mich nicht als Expert:in bezeichnen, aber ich weiß dennoch dass ich Kink mochte, lange bevor ich wusste, dass ich queer bin. Ich wusste es auch, bevor mir klar war, dass ich übers vage antikapitalistisch-sein hinaus „politisch„ bin. Als ich das erste mal in eine Metropole zog, auf meinem ersten Kink-Veranstaltung, sah ich einen einen älteren weißen Mann mit Symbolen von patriarchaler Autorität: Einen Anzug und eine Krawatte. Er war der Veranstalter, und er verfolgte nur sehr junge Frauen. Meine schlecht gebildete politische Haltung und meine Unerfahrenheit wie ich in diesem Moment war, mir war sofort klar, dass Kink oft die Machtstrukturen wiederspiegelt, die wir in der Mainstream-Gesellschaft sehen. Ich werde später erfahren, dass er eine Litanei an Vorwürfen von Missbrauch hat.9 So, sage ich jetzt, dass mensch für Uniformen keinen Kink haben sollte? Natürlich nicht. Ich sage allerdings, dass genauso wie wir kritisch gegenüber Medien sein müssen, die Dom(me)s, die klar definierte Grenzen überschreiten oder ignorieren, auf die leichte Schulter nimmt, müssen wir hinterfragen, inwieweit wir die Ordner:innen ehren und die Darstellungnen von falscher Benutzung von ihrer (diskutierbar willentlich) verliehener Autorität.
Sportliche Antifa? Tatsächlich nicht BDS-bewährt
Lasst uns unseren Blick auf den Schuhlecker werfen. Er existiert an der Verbindung von mehreren Subkulturen. Die berliner Antifa hat seit langen Fitnessstil-Züge sichtbar durch Adidas-Schuhe, The North Face Jacken und so etwas. Ein Fitness-Goth-Stil hatte eine Blütezeit in der berliner Clubszene und ist seitdem übernommen worden von quasi-Kink Lederstrapen und Ketten. (Cis) schwule Kultur hat seit langen hypermaskulinen fitten Körpern idealisiert. Lasst uns die Beliebtheit der und das Aufkommen der Athliesure10 und Fitnesskutlur in der Mainstream Gesellschaft ins Gedächnis rufen. So weit ist die Schuhleckers Kleidung bemerkenswert normativ.
Die Jogginghose die von dem Schuhlecker getragen wird hat vier Streifen anstatt der drei von Adidas, aber das ist unwichtig, da es die Markenästhetik nicht abwertet,11 eine Markenästhetik, die mit den Samba schuhen vervollständigt wird. Adidas war vorher ein Ziel der BDS, da sie die Israel Football Association (israelische Fußballorganisation) sponsorten.12 Derzeit kooperieren sie für ihre Unterwäschenkollektion mit Delta Galil (ansässig in Tel Aviv).13 Adidas sagte ihre Kampagne mit Bella Hadid ab, ein palästinensisches Model, nachdem sie Kritik und Vorwürfe erhielt.14 Oder vielleicht ist es auch einfach genug, dass ihr Gründer Adolf Dasser ein Mitglied der Nazi Partei war, um sie zu boykottieren. Oder dass Adidas ein Großunternehmen ist, wenn auch eine deutsche.
Es gibt keinen ethischen Konsum im Kapitalismus, und keine Subkultur ist immun gegenüber den Trends der Mainstream-Gesellschaft, in die sie eingebettet ist. Das heißt nicht, dass dass es nicht lohnenswert ist, immer noch die meist ausgemacht unethischste Firma zu boykottieren oder die Moral, die unserer Kleidungswahl zeigt.
Solidarität à la carte
Im Hintergrund ist eine Person mit Latexsuit und Gasmaske, die Poppers von einem Tablett heraus gibt, auf dem außerdem ein großes Stück Wassermelone drauf ist. Ist das Wassermelonenstück da, um die Teilnehmer:innen zu erinnern, dass die Veranstaltung einen expliziten politischen Grund hat, das über „zudröhnen und queeren Sex haben„ hinaus geht? Ist es da als Austattung der Festivitäten, genauso wie die Poppers? Wir, als die Anschauenden, können uns vorstellen, wie eine Hand einer Person über verschiedenen Flaschen mit Alkyl-Nitrit kreist, nach einer suchend, die einfach richtig wirkt und wenn menschs Hände auf der Wassermelone landet, erinnernd an das politsche Thema der Nacht, bevor sie sofort übergeht, Poppers zu inhalieren und zurück zum tanzen geht
Die Wassermelone als Symbol für Palästina hat ihre Wurzeln in dem 1967 Sechstagekriegs wo Israel die Flagge der besetzten Gebiete verbannte. Als Antwort wurden Darstellungen einer Wassermelone in den gleichen panarabischen Farben gezeigt und die Wassermelone wurde als Zeichen von Widerstand gegessen. Vor Kurzem, im Januar 2023, der faschistische israelische Minister von Nationaler Sicherheit Itamar Ben-Gvir befahlt die Polizei, palästinensische Flaggen zu beschlagnahmen. Dies ist nicht so unterschiedlich zu dem, was die berlinere Polizei in den frühen Tagen nach dem 7.10 tat. Allerdings wurde hier solche Repression zurück genommen, aber die memetische Replike blieb. Das wichtige Symbol ist — wie in dem Fall von vielen anderen radikalen Symbolen — eine Modeerscheinung geworden.
Der Ausdruck „Pinkwashing„ wurde 2010 geprägt, als Kritik darüber, wie die israelischen Medien als Zufluchtsort für Queers darstellte und wie sie Palästina und andere angrenzende Staaten Queers gegenüber als rückschrittlich und feindlich darstellte. Seitdem hat es sich zu einer Bedeutung entwickelt, da viele Unternehmen schönredet und Lippenbekenntnisse ablegt, anstelle von konsquenten materiellen Unterstützung an Queers anbieten. Bedenke, es ist eine Firma, die zeitweise im Pride Month eine Regenbogenflagge aufhängt und der lokalen CSD Parade ein bisschen Geld spendet, während sie wenig zun um das Leben ihrer queeren Arbeitnehmer:innen und ihrer Kund:innen zu unterstützen.
Puh, haben wir Queers unseren eigenen Widerstand zum Genozid „pinkwashed„? Wir haben sehr wenig getan, um deutsche Waffen die nach Israel geliefert wurden, davon abzuhalten, was bestreitbar die einzige Unterstützung ist, die einen Unterschied macht.
Ich werde denjenigen Anerkennung zollen, die sie verdienen. Bezugnehmend auf ihren Telegram-Kanal hat die Organisation hinter Fag Bar für ihre Veranstaltungen im Juli und November jeweils 2.500€ und 2.800€ gesammelt. Das ist doch was.
„Existence ist resistance„ („Existenz ist Widerstand„) ist eine Phrase die wir oft hören in queeren Räume, nicht nur hier, sondern auch in anderen englisch-sprachigen Räumen, sowohl online als auch offline. Wenn ich das höre, denke ich an das ikonische Bild von Rachel Posner aus dem Jahr 1933 in Kiel, das eine Menora auf einer Fensterbank mit der regionalen Nazi-Parteizentrale auf der anderen Straßenseite im Hintergrund zeigt. Berlin ist ein bemerkenswerter Schutzraum für Queers sind im Überfluss in lokalen und internationalen Medien vorhanden. Es ist nicht so, dass wir keine rechtlichen Probleme hätten, soziale Stigmen, oder queerfeindliche Gewalt, aber nur unser Leben zu leben ist kaum Widerstand. Ich möchte die Wichtigkeit vom zwanglosen Kontakte knüpfen zum Verbindungen bilden nicht ignorieren, die Verbindungen die wir nutzen um Angriffe durchzuführen, aber so wie wir möglichweise eine mittelalte Frau, die Einkaufs-Therapie macht als Widerstand gegenüber der patriachalen Unterdrückung ihres Ehemanns, verspotten, sollten wir uns eventuell dafür verspotten, dass wir behaupten, dass die Ermöglichung von darkroom hookups einen aufsässigen Akt von Anti-Zionismus darstellt.
Eine Bestandsaufnahme
Der Hintergrund von Genozid, in dem das Bild gemacht wurde, beinhaltet die sexuelle Eroberung von Krieg. Israelische Soldaten in Palästina und Libanon posen spöttisch in Frauenunterwäsche. Diese Frauen, die flüchteten, die stellvertretend verletzt wurden und wie Kriegsbeute behandelt wurden. Ihre intimen Dinge wurden aufgenommen und der Welt gezeigt. Ihre Körper konnten nicht erbeutet werden, aber doch Symbole dafür. Palästinenser:innen aller Geschlechter berichten von Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch durch die IDF und Akteur:innen des israelischen Staates. Das Gefangenenlager Sde Teiman machte internationale Schlagzeilen, als Aufnahmen von brutalen Gruppenvergewaltigungen auftauchten, und als neun IDF-Soldaten festgenommen wurden, randalierte ein rechtsextremer Mob vor der Einrichtung, und Minister auf höchster Regierungsebene verurteilten die Verhaftung der Soldaten.15 Es gibt so viele Fälle, die so viele Jahre zurückliegen, dass ich nicht einmal versuchen kann, sie alle aufzuzählen.
„Scandalously sodomizing„ („skandalöses Sodomisieren„), heißt es in der Einladung zur Fag Bar. Vielleicht ist konsensueller Sex wie dieser in einigen Teilen der Gesellschaft skandalös, aber ich bin nicht Queer, um einen Skandal auszulösen, und auch nicht, weil mir ein Skandal Freude bereitet. Ich bin es nicht, um aneckend zu sein, sondern weil es mir wirklich Spaß macht. Wenn die IDF Männer und Frauen, Jungen und Mädchen und Menschen jeden anderen Alters und Geschlechts vergewaltigt — und zwar anal mit improvisierten Gegenständen wie Metallstäben — muss ich mich fragen, ob wir durch die Verwendung des Ausdrucks „scandalously sodomizing„ nicht völlig den Faden verloren haben.
Berlin hat die größte palästinensische Diaspora in Europa, und da ist eine merkliche Überschneidung zwischen ihnen und der „klassischen„ radikalen Linken. Ich bin nicht palästinsisch, aber bin schon vor dem 7.10 involviert gewesen, da sind bestimmte Dinge, die ich mir nicht länger ansehen kann ohne die Spur der israelischen Gewalt zu sehen. Ich kann keine Worte wie „scandalously sodomizing„ neben einer Wassermelone und Kuffiyeh sehen ohne an die sexualisierte Gewalt des derzeitigen Genozides zu denken. Selbst die zu stellende Frage einer Veranstaltung wie dieser auszusprechen würde einladend sein wie eine paternalistische Bevormundung des am meisten betroffenen. Trotzdemn muss ich es fragen.
Wir nennen es eine Soli-Party, und es ist Solidarität so weit wie wir das Geld sammeln und es Palästinenser:innen schicken, aber lasst uns ehrlich sein über das was es ist. Dies ist Spenden sammeln für einen wohltätigen Zweck und vielleicht ist das okay. Vielleicht muss es nicht mehr sein als das, aber was diese Veranstaltung nicht macht ist ein Netzwerk von gegenseitiger Hilfe zwischen der radikalen/queeren linken Subkultur von Berlin und den Palästinenser:innen, Libanes:innen und anderen Menschen in der Diaspora welche am meisten betroffen sind von der derzeitigen militärischen Aggression und dem Schlachten zu schaffen. Reproduktion von unserer eigenen (inselhaften) Subkultur ist nicht schlecht oder falsch, aber wir sollten realistisch sein mit dem, was wir machen.
Feiern: Eine ewige queere Tradition
Queerness ist als von Natur aus radikal gesehen, aber mensch muss nicht weiter gucken als zu den (weißen) cis schwulen Männern, die als Bürgerrechts bekamen und wir sehen wie sie wegdrehten vom Rest der Gemeinschaft. Ähnlich ist feiern als ein ungefragter Teil vom Queer-Sein gesehen. Das Camp, die Extravaganz, die Prahlerei. Bars, Kabaretts und Clubs sind Orte wo wir historisch mehr wir selbst oder ganz wir selbst sein konntent, aber uns in diesen manchmal gemütlichen, manchmal keimenden Ecken verstecken ist nicht die Welt, die wir anstreben. Wir sind Anarchist:innen. Wir wollen alles.
Feiern als ein Element von veränderlicher Entwicklung oder als Mittel zum Kontakte knüpfen ist historisch betrachtet wahr, aber es ist mehr ein Ergebnis von vergangenen Strukturen als irgendetwas anderes. Oder, wie Marx sagte:
Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.16
So, wie wir die Geschichte von Marsha P. Johnson umschrieben, bei den Stonewall Riots den ersten Stein geworfen zu haben — mit ihrem eigenen Zugeständnis, sie tat es nicht — haben wir die Geschichten von unseren Bars als die Orten, die wir aussuchen umgeschrieben, nicht von den manchen, die für uns verfügbar sind. Die Schönheit von autonomen Leben ist das alle von uns als Individuen und wir alle kollektiv entscheiden müssen was wichtig für uns ist und was wir wollen, um vorwärts zu kommen. Traditionen müssen nicht weiter gehen, wenn sie uns nicht dienen, aber sie müssen auch nicht komplett verschwinden. Vielleicht können sie einen Schritt zurück gehen aus dem Vordergrund, und in diesem Fall könnte etwas anderes als Feiern als die Hauptform für queeres Kontakte knüpfen angeignet werden.
In Berlin sind Bars und Clubs Tourist:innen-Attraktionen, und tagelang hedonistisches verdrogtes Rumtoben ist üblich unter Bürgis. Kink stakste lange an der Grenze durchbrechen vom Mainstream, und ich glaube, das Zeichen, dass der Damm wirklich gebrochen war, war das Kink-insprierte Musik Video zu Phantograms 2016 „You Don’t Get Me High Anymore.„17 Die queerness von Clubs, wurde behauptet, verwässert worden zu sein. Schlangen vor Clubs sind voll mit Cis-heten und Bürgis welche ihren Weg gekauft haben zum cool sein können. Zwei von den klassischen Beispielen, Kitkat und Berghain fühlen sich sicher nicht mehr an wie die gleiche Untergrundauthentizität die sie mal hatten. Der Ort, der hedonismus, die sexuellen Exzesse sind nicht reserviert für uns als die „wahren„ Queers. Ein übersehbarer Fall ist dass die Marke Heroine Kids welche mit minderjährig und wirkende drogenabhängige Models mit einer trashigen Ästhetik wirbt, und diese Werbung wurde rausgehauen wo Club-Kinder herumlaufen, und dies passiert traditionell in radikalen Kieze.
Das heißt nicht, dass wir nicht versuchen sollten unsere eigenen Orte zu finden und unseren eigenen Weg zu gehen, aber es heiß nicht, dass Authentizität nicht immer noch in einer Welt die ständig Bilder und Marken raus haut, existieren kann.
Dance Dance Revolution
In verschiedenen Formen wird das falsche Zitat „Wenn ich nicht tanzen kann, ist das nicht meine Revolution„ Emma Goldmann zugeordnet.18 Dieses falsche Zitat wird oft gerufen von Radikal:innen, die den hedonistischen Hingabe verteidigt. Der ganze Kontext wo es herausgezogen wurde ist nuancierter.
Ich stürzte mich Hals über Kopf in diese Arbeit, und sie verschlang mich; alles andere war ausgeschlossen. Meine Aufgabe war es, die Verkäuferinnen für den Streik zu gewinnen. Zu diesem Zweck‚ wurden Treffen, Geselligkeiten und Tanzveranstaltungen organisiert. Bei solchen Gelegenheiten war es nicht schwer, den Mädchen klarzumachen, wie notwendig es war, mit ihren Brüdern gemeinsame Sache zu machen. Ich mußte sehr oft sprechen und fühlte mich von mal zu mal sicherer auf dem Podium. Mein Glaube an die Berechtigung des Streiks half mir, meine Reden sehr dramatisch zu halten und die Überzeugung weiterzugeben. Innerhalb weniger Wochen führte meine Arbeit der Streikbewegung Scharen von Mädchen zu.
Ich lebte wieder auf. Bei den Veranstaltungen gehörte ich zu den unermüdlichsten und ausgelassensten Tänzerinnen. Eines Abend nahm mich ein junger Vetter von Sascha beiseite. Mit ernster Miene, so als wollte er den Tod eines teuren Genossen bekanntgeben, flüsterte er mir zu daß es sich für einen Agitator nicht gehörte zu tanzen. Jedenfalls nicht so unbekümmert und überschwenglich. Es wäre unwürdig für jemanden, der eine treibende Kraft in der anarchistischen Bewegung werden wollte. Meine Leichtfertigkeit schadete der Bewegung.
Die schamlose Einmischung des Jungen machte mich wütend. Ich sagte, er sollte sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, ich wäre es leid, ständig die Sache vorgehalten zu bekommen. Ich konnte nicht glauben, daß eine Sache, die für ein schönes Ideal stand, für Anarchie, für Zufriedenheit und Freiheit von Konventionen und Vorurteilen, die Verleugnung des Lebens und der Freude fordern könnte. Die Sache durfte nicht erwarten, daß ich zur Nonne und die ganze Bewegung zu einem Kloster wurden. Wenn sie es dennoch tat, wollte ich nichts damit zu tun haben. „Ich möchte Freiheit, mich selbst verwirklichen können, jeder soll das Recht haben, Schönes und Sinnvolles zu tun.„ Das bedeutete Anarchismus für mich, auch wenn die ganze Welt gegen mich wäre, trotz Gefängni, Verfolgung und allem. Ja sogar, wenn meine eigenen engsten Genossen mich verdammten, wollte ich für dieses schöne Ideal leben.
Ich hatte mich in Rage geredet, meine Stimme schnappte über. Eine Menge Leute umstanden mich. Es gab Beifall, aber auch Protest; was ich sagte, wäre falsch, man müßte die Sache über alles stellen. Alle russischen Revolutionäre hätten das getan, sie hätten nie an sich selbst gedacht. Es wäre nichts als purer Egoismus, sich über etwas zu freuen, was von der Bewegung abbringen könnte. Saschas Stimme war die lauteste in dem Tumult.19
Wir beteuern oft, dass unsere Partys ein Mittel sind um andere in unsere Reihen einführen, als ein Mittel um Menschen zu radikalisieren. Ich habe nie wen getroffen der:die sich auch nur selten oder ein bisschen mit Radikalismus beschäftigt den ersten Kontakt über einen unserer Partys hatte.
Eines Sommers datete ich ein Gewerkschafter-Person und wir gingen mit ein paar ihrer Befreundete zu einer queerfeministischen Party in der Roten Insel.20 Wir saßen draußen und unterhielten uns und versuchten, andere mit einzubeziehen, aber die meisten Gruppen die da waren, waren zufrieden in sich nach innen zu drehen und blieben mit sich. Die Befreundete meiner Partner-Person — welche nie vorher in einem Hausprojekt waren — verließen nach weniger als zwei Stunden weil sie sich zu fremd fühlten an diesem subkulturellen Ort. Mein Partner-Person ging kurz danach, und während ich dort ein paar Menschen kannte, die an der Bar oder der Tür arbeiteten, fand ich ein paar Bekannte, griechische Gefährt:innen in der Ecke. Wir unterhielten uns untereinander, aber ziemlich einfach angezogen, passten wir auch nicht in die Partyatmosphäre. Als die Nacht kälter wurde, machten wir uns langsam auf den Weg nach Hause.
Dies ist nicht die einzige Geschichte wie die, die ich habe, und ich bin nicht die einzige Person mit solchen Geschichten.
In dem darüber zitierten Text fleht der Cousin von Sahsa an einen stoischeren Vorgang zur politischen Agitation zu nehmen, wozu sie „Nein„ sagt. Jedoch kann sie ausführen, dass ihre Agitationen, ihre Tänze eingeschlossen, sicherlich zu ihren Überzeugungen bringen konnte. Tanzen selbst ist nicht die Revolution, noch setzt tanzen die Revolution voraus. Es kann eine Ergänzung zu anderen Organisationsformen sein, oder es kann einfach Erholung sein. Aber noch einmal, wir müssen mit uns ehrlich sein in dem was wir tun.
Wir sagen oft, dass in einer Welt, die Produktivität fordert, Self-Care revolutionär ist. Mein Vater sagte oft „work hard, play hard,„21 und wir wurden aufgefordert, diese beiden Akitivitäten deutlich einzuteilen und die eine war eine Belohnung für die andere. Diese Ethik ist nicht auf eine christliche (oder eben post-sovietische) Gesellschaft begrenzt. Wir selbst reproduzieren diese Muster.
In unserer Gesellschaft kultivieren wir Persönlichkeitseigenschaften, die Produktivität maximieren. Wir lernen, unsere Wünsche zu kontrollieren und unsere Bedürfnisse zu limitieren. Wir werden für Selbstgenügsamkeit und Ausdauer gelobt. Sei ein:e gute:r Arbeiter:in, bleibe fokussiert, hemme deine Gefühle, gehe die Extra-Meile, no pain, no gain. Um die entleerenden Effekte dieser Disziplin zu balancieren, der Markt liefert und Konsumer:innen Selbst-Luxus. Behandle dich selbst, aale dich, fröne dich in deinen Leidenschaften, werde mitgerissen. Aktivismuskultur kann auch so zwischen diesen Polen von Selbstkontrolle und Selbstverwöhnung hin und herschwingen, allerdings tendieren wir dazu, die kapitalistische Arbeitsmoral zu umsetzen, während wir ärgwöhnlich gegenüber Kapitalismuskomfort bleiben. Was wir beschreiben wenn wir über Self-Care sprechen ist meist eines dieser Pole. Trainiere hart, oder bekomme eine Massage. Mache schnell eine Entschlackung oder tue dir mit einem freien Tag etwas Gutes. Arbeite an deinen Probleme in einer Therapie, oder nimm ein Seifenblasenbad. In alles diesem Streben nach dem Kümmern um uns selbst, folgen wir Wegen, die weithin gut abgenutzt durch den Kapitalismus, Wege die uns zurück führen, dorthin, wo wir starteten.22
Unsere Partys reproduzieren kapitalistische Strukuren nicht nur in den Normen die sie vergegenständlichen oder den bestimmen Arten von Exzess, den sie glorifizieren, ab, aber mit dem Muster mit Wenn und Wie wir uns beteiligen selbst ist nicht so „alternativ„ wie wir glauben.
Ich verweise häufig auf Die Enteigneten von Ursula K. Le Guin als einen guten ersten anarchistischen Text, und einer der Gründe für mich war dieses Zitat:
Die Verteidigungsarbeit war zwar meistenteils so langweilig, daß sie auf Pravic nicht als Arbeit bezeichnet wurde — ein Wort, das übrigens Arbeit und Spiel bedeutete —, sondern als kleggich, als Plackerei.
Dies selbst war revolutionär für mich, dass Arbeit Spiel sein konnte. Die Dinge, die ich tun musste, gefielen mir nie. Die Dinge, die ich machen wollte, Wurden von mir nie verlangt. Während ich in meinem Anarchismus wuchs, lernte ich, viel Spaß zu haben in der Arbeit, die Arbeit der Liebe. Ein Banner malen, plakatieren, Reisen um Ausstattung zu verteilen können alles Spaß machen. Glaube daran oder nicht, wenn Kollektive klein bleiben, zwanglos und beweglich, dann können uns tatsächlich Treffen Energie geben und sie selbst können hochwertige soziale Veranstaltungen sein. Wenn wir unsere Partys als einen Gewinn für unseren Aktivismus sehen, sollten wir das Wie wir organisieren verändern und unseren gedanklichen Rahmen verändern.
Partys selbst sind nicht die Revolution, weder das System bedrohend, noch in der Neugestaltung von unseren Beziehungen mit uns selber, mit einander oder mit dem Arbeit. Partys als Self-Care könnte die Erfahrung von reiner Freude sein, aber Self-Care über Solidarität zu stellen ist nur nihilistischer Hedonismus mit gemeinschaftlicher Atmosphäre.
Keine Utopie: ein kapitalistischer Mikrokosmos
In Berlin, dort gibt es ein starkes Überbleibsel von dem einstigen Gipfel der Autonomen, und wir haben immer noch viele Räume wo wir uns selbst organisieren können. Eine der Überzeugungen der Bewegung ist die Schaffung von selbst-organisierten Räumen wo mensch experimentieren kann mit alternativen Lebensformen und Verbindungen schaffen und von diesen Räume Angriffe starten um die Welt zu verändern. In diesen selbstorganisierten Räume haben wir Bars und Cafés, Diskussionsgruppen und Lesebände, Plenas und Kongresse und alle Arten von anderen Veranstaltungen. Manchmal schaffen wir eher temporäre autonome Zonen wie das Fusion Festival, CCC Camp,23 oder am beachtenswertesten die vielen Waldbesetzungen. Dennoch, weil diese Orte umringt sind von einer dominierenden kapitalistischen Gesellschaft, und weil wir Splitter von dieser Gesellschaft in uns selbst tragen, wir können einfach sagen, dass diese Orte nicht völlig weggekommen sind oder anders sind als unser Alltag.
Viele Räume haben ein einzelnes organisierendes Komitee, welches ein reglementiertes Prozess-basiertes Vorgehen haben zu allen Entscheidungen, die gemacht werden und das gilt auch für die Planungen der meisten Demonstrationen. Solche Orte sind autonomer im Sinne von „selbst-beherrscht„ — sie fördern eine demokratischere Entscheidungsfindung — aber sie sind meist weniger kundig, individuelle Autonomie und Handeln zu unterstützen. Als ein Beispiel, ich war im Fischladen — der gleiche Ort der die Fag Bar veranstaltet — bei einer Küfa und ich fragte sie, ob sie ein Problem damit hätten, wenn ich ab und zu Zines und Sticker auslegen würde. Sie sagten mir, dass ich eine Liste abgeben solle an eine Person, und diese zu dem Plenum geben würde zur Absegnung (Ich tat es nie). So wie bei Demos bilden manchmal viele Kollektive ein temporäres Bündnis für größere Mobilisierung. Ich war bei vielen zu Planungstreffen für verschiedene Veranstaltungen (Demos, Workshops, Konzerte, direkte Aktionen, große Mobilisierung), aber ich habe noch nie ein Treffen gesehen, das sich offen anfühlte für die Community und nicht nur inselähnlich in der Subkultur. Als ein Vergleich, berücksichtige diese Zeilen eines Berichtes der Stop Cops City Bewegung in den USA, etwas wahrlich abgründiges in Berlin:
Der erste Tag der Ratsversammlung war eine eröffnende Präsentation und Frage und Antwort am Schluss. Um die 450 Menschen füllten den Raum, eine Mehrheit war nicht aus Atlanta und noch nie im Wald gewesen. Viele von ihnen waren noch nie bei einem Protest der Tränengas oder weniger-tödliche Waffe beinhaltete, und eine signifikante Prozentzahl war noch nie bei irgendeinem Protest gewesen.24
Es ist nicht mal so strukturell wie wir uns organisieren besteht ein Mangel an radikaler Verschiebung, aber auch der Anreiz kann übermäßig dominiert werden von den Imperativen, Geld für Miete und Essen zu bekommen, welches uns aufgezwungen wird vom kapitalistischen System. Als ein Beispiel, eines meiner Gefährt:innen hilft, eine Küfa im Bandito Rosso zu organisieren und er fragte mich ob ich helfen könnte. Wir trafen uns um 16.30h zum einkaufen, und nach dem Kochen machte ich eine Barschicht, wo ich nach „Spenden„ fragen sollte. Mir wurde gesagt, dass die vorgeschlagene Spende im Bandito 7–10€ ist, damit sie den (gerechtfertigten) Anteil nehmen konnten, um ihre laufenden Kosten bezahlen zu können und den Ort erreichbar zu erhalten. Manche von denen, die kamen, waren schockiert über den Preis, und aus Sympathie gab ich ihnen einfach Essensmarken. Am Ende des Abends, selbst nachdem Leute im Voraus gewarnt wurden, dass wir um 23h schließen, mussten wir unsere Vorsuche die Leute rauszuwerfen mehrfach wiederholen, Menschen die nicht nur nicht beim letzten Saubermachen halfen sondern uns auch ihr Chaos überließen, das wir sauber machen mussten. Meine „Schicht„ startete um die 16.30h, und mit der Zeit die vorbei ging, war es ein Äquivalent zu einer typischen 7 Stunden-Schicht, die ich machte, als ich in Restaurants arbeitete. Ohne eben in die Geschlechtsvorurteile von Care-Arbeit zu gehen, aber die Küfas im Bandito und anderen Räume sind sehr klar sehr wichtig für die Bewegung — Ich bin hier nicht sarkastisch — manchmal fühlen sie sich an wie wenn ich eine Schicht in einem kapitalistischen System abarbeite, außer dass wir kein Geld bekommen. Spendensammeln und Solidarität vermischen kann das letztere aushöhlen.
Partys und Konzerte sind oft Quellen fürs Spendensammeln, und manchmal werden Projekte davon abhängig, auf Spenden angewiesen zu sein weiterzumachen oder um generell Spenden zu bekommen. Ein Beispiel davon folgt einem Callout für wiederholte sexualisierte Gewalt in einem unserer Räume, diese, die den Betroffenen beistanden, begegneten Druck vom Rest des Kollektives, weiterhin Konzerte zu machen um den Raum finanziell zu unterstützen. Darüber hinaus, Mitglieder des Awareness-Teams — inklusive derer, die auf der Seite der Betroffenen standen — priesen Veranstaltungen an, sicher zu sein für Frauen und andere marginalisierte Geschlechter trotz die Vergewaltiger:innen und Missbraucher:innen immer noch den Raum frequentierten.25 Der Imperativ Geld zu machen tut das was es immer tut: es bringt sich in eine Position den Vorrang zu haben über Moral und ethische Werte. Spendensammeln über Veranstaltungen ist prominent überall dort, wo Anarchist:innen existieren weil es funktioniert. An einem Punkt, allerdings, werden wir weniger ein radikales Kollektiv, stattdessen werden wir ein Club fördernder Betrieb, ein Festivalgewerbe, oder ein Restaurant. So, auch wenn es funktioniert, sollten wir uns die Frage stellen, warum es viel besser funktioniert als alles andere, und wir sollten aktiver eine Alternative schaffen weiterhin mit dem Untergraben der Überzeugungen und Normen die diese Alternativen zur Zeit unrentabel machen. Vielleicht können wir mit dem Glauben, dass wir etwas für unsere Spenden „bekommen„ im Austausch mit unserer Solidarität, anfangen.
Da sind begrenzte Stunden pro Tag und begrentztes Kapital mit dem gearbeitet werden kann. Wählen, Partys zu veranstalten, schließt nötigerweise andere Aktivitäten aus, genauso wie der Kater danach. Der Raum ist belegt für eine Nacht, was bedeutet, keine organisatorischen Treffen, keine Küfa, kein Lesebände, keine Diskussionsgruppe. Die Planung und Koordination die dort hineingeht erfordert Zeit und Räume. Wir sollten nicht aufhören, Veranstaltungen zu geben, aber wir sollten kritischer sein mit dem Zweck. Sind sie da um Subkultur zu reproduzieren? Um Bewegungen „wachsen zu lassen„? Um Solidarität zu steigern? Um unsere Klingen zu schärfen so das eindrucksvolle Demos effektivere Direkte Aktionen werden? Dieser Austausch könnte sich lohnen, aber wir sind weit entfernt davon, eine aufständische oder revolutionäre Bewegung zu sein. Wir könnten unsere Zeit besser organisieren auf eine Art die uns besser vorwärts bringt zu unseren Zielen.
Abhängigkeit und Ausschließung
Wenn wir eine Veranstaltung planen, sollten wir uns fragen: wer ist eingeschlossen, wer ist ausgeschlossen, und warum? Nicht jede Veranstaltung ist zugänglich für alle weil Zugänglichkeit und Vorliebe widersprüchlich sind. Darüber hinaus, Subkulturen und Communities verdienen es einen eigenen Raum zu haben der nicht auf die äußere Welt zugeschnitten ist. Zum Beispiel, trans Menschen sollte es möglich sein trans Veranstaltungen zu haben die nicht auf cis Befindlichkeiten zugeschnitten sind. Radikale Veranstaltungen sollten nicht verwaschen werden um eine vorgestellte Auffassung anzusprechen oder untätigen Progressivismus.
Eine Frage zu stellen ist: Haben Feiern und Alkoholgenuss ein übergroßen Einfluss auf queeren Veranstaltungen und unserer Subkultur? Es gibt viele Texte von Anarchist:innen die auf die Überschneidung von Alkohol/Drogen Queer-Sein und Radikalismus gucken. Manche sind gegensätzlich, und ich stimme mit vielen aufgezeigten Punkten nicht überein, aber ich ermutige euch/dich die Fußnoten anzugucken und ein paar zu lesen.26
Da ist eins, dass ich fand, welches mich sehr ansprach, eines, das über Nahezu-Nüchternheit sprach auf eine Art, die sich näher anfühlte zu dem, was ich mache. Bent Edge Revenge, von einem anon Genossi aus London den ich durch Zufall traf während ich reiste, hatte diese Zeilen:
Ich trank mit Menschen, die ich liebte, mit Menschen, mit denen ich befreundet war, aber auch mit Menschen, mit denen ich nicht klar kam […] Und viele cis hetero Typen, da sie oft Torwächter von „alternativen„ Subkulturen sind und als ein Baby-Punk fühlte ich mich als bräuchte ich ihre Akzeptanz um als eine:r gesehen zu werden. Ich tat vieles von diesem und ich war normgerecht so gut während ich glaubte, dass ich nicht normgerecht nach Regeln handelte weil ich nun draußen bin aus dem mehrheitsgesellschaftlichem Scheiß, yeah! — wenn die Alternative so oft einfach die breite Gesellschaft spiegelt, oft in verstärker Art und Weise.
Glücklicherweise, die Teile der Berliner radikalen Szene denen ich begegnete waren nicht verschlossen von cis hetero Typen, aber es scheint so, als wäre es ein bisschen exklusiv gewesen, davon, ein Punk zu sein, und das kommt meist mit Trinken (Sternis), rauchen (selbst gedrehte Zigaretten), und Drogen nehmen. Dies ist vor allem wahr, wenn du nicht einer der cis heten bist. Zugang zu queeren Punkkreisen scheint am einfachsten zu erreichen zu sein über Konzerte, (Sex) Partys, oder die beiläufige Einladung zu einer Bar nach einer Demo oder einem Treffen, wo gesagt werden muss, dass Alkohol maßgeblich präsent ist. Soziale Veranstaltungen die explizit queer, radikal und nüchtern sind scheinen sehr selten zu sein, und die gemütlichen Identitätspolitik-durchdrungenden bürgi Queers und ihre Veranstaltungen sind mir ziemlich unerwunscht. Einführung und das Reproduzieren der (queeren) radikalen Subkultur in Berlin scheint übermäßig angewiesen zu sein auf Veranstaltungen wo Alkohol präsent ist.
Für eine zeitlang, Ich war hier aktiver eingebunden in radikales queeres Organisieren, und ich hatte viele Freund:innen welche Angst hatten auf der Straße wegen Queer-Seins verprügelt zu werden. Während der ersten Jahre der Pandemie, als Menschen sich halbwegs darum scherten, Masken zu tragen, ein Genossi und ich versuchten etwa zwölf Menschen zu organisieren, die wöchentlich Selbstverteitigungsunterricht machten, in einem Park. Das einzige Mal als wir es machen konnten war Samstag Spätnachmittag oder Sonntagmorgen weil wir der Menschens Feierei in der Nacht davor berücksichtigen mussten oder soziale Pläne an den Abenden. Der Unterricht war kurzlebig, klar, weil Teilnehmer:innen zu verkatert waren oder teils direkt aus dem Club kamen.
Alkoholismus und Abhängigkeit haben einen erhöhten Anteil unter Queers, also sind nicht nur die, die komplett freiwillig entscheiden, nicht zu trinken ausgeschlossen, sondern auch die, die nicht trinken können oder nicht mal davon umgeben sein können sind ausgeschlossen. Die, die nicht lange draußen bleiben können sind ausgeschlossen, sowie die, die keinen Rauch tolerieren können oder das hohe Risiko einer COVID Infektion entweder für ihre eigene Gesundheit oder aus Sorge um andere. Zentrierung von Feiern im Queer-Sein erlaubt nur bestimmten Arten von queerness zu dominieren.
Das Thema über Alkohol ist im Anarchismus vor über einem Jahrhundert aufgetaucht, so weit ich das gesehen habe beim für mich Lesen. Da sind Anarchist:innen und diese gestalten anti-autoritäre Räume welche herauststellten dass der Gebrauch von Alkohol und Drogen einen beruhigenden Effekt haben, und uns zurücklassen, unmöglich Teil von emanzipatorischen Aktionen zu sein. Aber die Grenzen sind gezeichnet in zwei deutliche Lager von „alles verbieten„ und „jeder Versuch zu regulieren ist autoritär,„ und nichts scheint sich zu ändern. Lasst uns diese Dinge nicht verbannen, aber statt dessen einen Weg finden zur besseren Selbstregulierung.
Jenseits Subkultur
Vereinnahmung27 ist der Prozess bei dem radikale und subkulturelle Ideen zerstreut werden von revolutionärem Potenzial und in die Zwänge der Mehrheitsgesellschaft gezogen werden. House-Musik und Raves kommen von der Arbeiterklasse und queerem Hinterfgrund, und Untergrundraves trugen einen guten Teil zum DIY Ethos bei. Raves waren unerlaubt und gegenkulturell. Jetzt sind sie überall.
Es gibt keine Subkultur die immun ist gegen die Vereinnahmung, kein Smbol das nicht kooptiert werden kann. Da ist ein Kontinuum zwischen unseren DIY queeren Partys, die schwulere der beliebten Clubs und den grauenhaftesten langweiligen Mehrheitsgesellschafts-Clubs. Bürgi Antifaschist:innen verpartnerten sich mit parlamentscharischen Parteien und schwingen Antifa Flaggen auf Gegendemos zu der AfD während sie prinzipell darüber übereinstimmen, dass braune Menschen eine Bedrohung für die europäische Kultur sind, und auf der anderen Seite sind Anarchist:innen und andere Antifaschist:innen welche tot sind und im Gefängnis weil sie gegen Herrschaft kämpften. Dennoch benutzen sie viele der gleichen Symbole und Slogans.
Wir sind nicht einmal immun gegen eigene Vereinnahmung unserer Bewegung oder Symbole. Das Logo der Fag Bar Veranstaltung ist eine Détournement des RAF Logos. Es ist ein roter fünfeckiger Stern mit der gleichen Schriftart und die MP5 ist ausgetauscht worden mit einem doppelseitigem Dildo. Zu welchem Zweck führt diese Pastiche, diese Nachahmung? Ist es Ehrung? Verspottung? Oder ist es vielleicht einfach nur etwas, das erkennbar „links„ ist. Es sind alles nur Kopien von Kopien bis das Symbol nichts mehr bedeutet, mehr Pink-Slime, das an uns verfüttern wird.
Dank des Internets bewegen sich Trends schneller. Unternehmen haben Geld um gerissene jugendliche Menschen anzustellen um Trends aufzuspüren und künstliche Kampagnen unter social media influencern zu starten. Fast-Fashion kürzt die Trendwende für diese Zyklen, und es scheint so, dass Francis Fukuyama recht hatte mit dem, wie sehr wir das Ende der Geschichte erreicht haben. Es ist alles nur die ’80iger, ’90iger und 2000er endlos in der Wiederholung bis wir diesen Planeten unwirtlich gekocht haben. Kapitalgesteuerte Mode eignet sich autentische Styles an, und das Lager der Plateauschuhen war ein queerer Eckpfeiler, aber die derzeitigen ’90iger reto Mode hat sie zurück gebracht. Dennoch, so weit ich beobachtet habe, die Wiederbeliebtheit von klobigen Sneakern und Plateauschuhen unter radikalen Queers hier startete nicht in unseren Reihen sondern kamen aus dem Zusammenspiel von Haute Couture und Social-Media-Influencern, die Modeentscheidungen zu den trendigen Club-Kindern wiedergaben, bevor es sich zu Mehrheitsgesellschafts- und queer Mode bewegte. Unsere eigenen autentischen subkulturellen Kennzeichen können extrem schnell billig werden und an die Massen verkauft werden, und das derzeitige Wiederaufleben dieses Trendes in unserer Subkultur ist etwas, das wir kopieren von etwas, das uns kopierte. Und, gut, sie sind stolz präsentiert auf der Fag Bar Einladung.
Ich habe keine Antwort, nicht gänzlich, aber es scheint, dass unserer Fokus auf die Coolness von queeren/punkigen/anarchistischen Subkulturen unsere Fähigkeit sperrt uns auf eine anarchistische Ethik zu fokussieren um sie zu verbreiten, oder als kleinstes Präsent konkretere Anfeindung zu Konsumverhalten. Anarchistische Symbolik oder sogar Punkmusik kann — mindestens teilweise — rekupiert werden, aber dann eben wieder Ideen wie gegenseitige Hilfe und direkte Aktion sind entschärft geworden von underen Allierten und sind komplett vereingenahmen von NGOs.
Eine unzufriedenstellende Schlussfolgerung
Ich habe diese ganze Zeit verbracht um eine Kritik zu einer solidarischen Palästina-Aktion zu schreiben und ein paar speziellen Facetten des radikalen queeren Organisierens anstelle von dem Gedankengang vom Schlimmsten vom Schlimmsten zu demontieren. Das ist, zeilweise, weil wie die Soli-Veranstaltungen, dies so zu tun ist „sicher„. Darüber bin ich mir absolut im Klaren.
Dieser Text startete beim Anschauen eines Bildes das bestimmte Verhaltensweisen und Trends normalisierte, welche die weit verbreitet sind in den berliner Linken. Die Ideen wanderten vom Untersuchen des zentralisierten Entscheidungen treffen und Autorität zu unseren angeblich radikalen und alternativen Subkulturen, die viel die Mehrheitsgesellschaft spiegeln, nicht nur oberflächlich, sondern im Wesentlichen. Dieser Text hat keinen superklaren Punkt, nicht gänzlich, und es ist vollkommen verworren weil wir in einem verworrenen System und einer Kultur existieren, wo alles von allem abhängt. Da ist keine einfache Antwort, aber wie andere gesagt haben, „Um etwas zu verändern, fang überall an.„28
Bilder helfen, Subkulturen zu erbauen, Identität, und sogar Gemeinschaft. All dies hilft um Widerstand zu aufzubauen. Bilder können nicht helfen aber sind Teil des kapitalistischem Spektakels, und die hyperschnelle Übermittlung und Transformation von memetischen Symbolen machen sie besonders anfällig eben auch für unbeabsichtigte Vereinnahmung. Wir können nicht voraussagen, welche Memes sich verteilen, aber wir können unbeabsichtligt Bilder los lassen, die Verhalten oder Ideale außerhalb unserer anarchstischen moralischen Norm normalisieren. Ein DIY gegenseitige Hilfe Projekt kann schnell in ein Profit-generierendes radikal-ästhetisches Unternehmen rutschen. Dinge bewegen sich schnell, und Grenzen zwischen Identität und Gemeinschaften bewegen sich immer und sind unscharf.
Wenn wir Anarchismus als eine Subkultur und ein Ethik scharf erhalten wollen, so dass es geschweißt werden kann als eine Waffe gegen all das Schlechte in der Welt, müssen wir gewissenhaft sein mit dem, was wir machen. Wie? Naja, das ist kompliziert. Ständig kritisch sein über alles, was wir tun, beides, wenn wir es tun und danach, der Fakt, könnte der Schlüssel sein. Unsere anarchistische Ethik zu dem primären Anliegen machen, über Coolness oder Tradition ist ein anderer starker Kandidat. Ich kann nicht sicher sagen, welche magische Kombinaton von Charaktistiken die berliner radikale Szene mehr zu einer Bedrohung machen würde, aber das Existierende infrage zu stellen ist zumindest ein Anfang.